Hausaufgaben

In der vergangenen Woche veröffentlichten die führenden Aerosolforscher Deutschlands eine Stellungnahme. In dieser betonten die Gelehrten, dass die Wahrscheinlichkeit, sich mit Covid anzustecken, im Freien minimal gering ist. Dies gilt auch für ein Mannschaftstraining. Kinder- und Jugendärzte, Sozialpädiater, Sportmediziner, Kinderpsychiater und Kinderpsychologen betonen immer wieder, wie wichtig für die gesunde Entwicklung regelmäßige Bewegung für Kinder und Jugendliche ist. Bewegung wird gelernt. Und ein Jahr im Lockdown schadet Kindern und Jugendlichen in einer Weise, deren ganze Tragweite wir erst in einigen Jahren abschätzen können. Doch schon jetzt zeigen sich schwerwiegende Probleme. Das beginnt beim Übergewicht und hört nicht bei der zunehmenden Zahl an Nichtschwimmern nicht auf. Von den massiven psychischen Schäden ganz zu schweigen. Doch ins Bewusstsein der Bevölkerung dringen vor allem geschlossene Geschäfte, Flüge nach Mallorca und Testpflicht bei großen Firmen.

Und die Kinder und Jugendlichen? Sie werden lediglich als mögliche Virenverbreiter (Stichwort „Superspreader“) wahrgenommen, vor denen die Gesellschaft, die sich in einem großen Teil durch mangelnde Bewegung und Übergewicht in die Risikogruppe gehievt hat, zu schützen ist. Daher werden Schulen geschlossen, soziale Kontakte unterbunden und Mannschaftssport verboten. Vom Schulsport, der sowieso im Schulalltag kaum eine Rolle spielt, ganz zu schweigen.  Dabei spielen wissenschaftliche Erkenntnisse wie oben dargestellt keine Rolle. Vielmehr schließen die Gemeinden ihre Sportstätten, in dem irrigen Glauben, damit irgendeine Inzidenzzahl drücken zu können. Beim Ruf nach harten und noch härteren Maßnahmen werden diejenigen vergessen, die unsere Zukunft darstellen sollen.

Kinder lernen Bewegung, sie ist nicht angeboren. Angeboren sind höchstens die grundlegenden Funktionen wie Stehen, Sitzen (ist mittlerweile perfektioniert) und Laufen. Doch Bewegung ist mehr, als die Möglichkeit, sich im Einkaufszentrum von Geschäft zu Geschäft zu bewegen und die Ware unfallfrei aus dem Regal zu holen. Kinder und Jugendliche lernen Bewegung, und zurzeit lernen sie einigermaßen Mathe und Deutsch, Bewegung steht beim Homeschooling nicht auf der Agenda. Und was sicher perfektioniert wird, ist die Bedienung von elektronischen Geräten.

Da nicht abzusehen ist, wann sich die große Politik um die kleinen Leute kümmert, müssen die Eltern bzw. die Familien aktiv werden. Ich betone müssen, denn einen Handlungsspielraum haben diejenigen, die verantwortlich für ihre Kinder sind, nicht.

Die Trainer von ABI können es nicht leisten, alle Kinder in Corona-konformer Weise zu trainieren. Daher sind die Eltern, die Geschwister, die Großeltern, sprich alle, die unter die Haushaltsdefinition fallen, aufgefordert, mit den Kindern zu trainieren, wo es möglich ist.

Das bedeutet für unsere großen und kleinen Fußballerinnen und Fußballer:

Individuelles Training 2 x in der Woche (mindestens!) a 45 min.

Altersentsprechende Übungen findet man auf Youtube. Ich empfehle dazu den Kanal der „Justfootball Academy“, der unzählige Übungen für zwei oder drei Personen anbietet.

Falls Material benötigt wird, einfach Bescheid sagen. Wir von ABI sorgen für das Equipment. Außerdem bieten wir an, im Rahmen der Corona-Verordnung ein individuelles Training denjenigen anzubieten, die von zu Hause keine Unterstützung bekommen können. Sie benötigen Hilfe? Kontaktieren Sie uns, wir helfen gerne!

Vielleicht entschließt sich die Ilsfelder Gemeinde zudem, die Öffnung der Sportanlagen für den Corona-Sport zu veranlassen. Das Risiko, dass sich dadurch die Inzidenzzahl erhöht, ist minimal. Vielmehr werden dadurch die unzähligen Innenraumkontakte deutlich verringert.

 Wir können nicht warten, bis die Verordnungen wieder ein Fußballtraining erlauben. Die Zukunft unserer Kinder beginnt jetzt!

 

Dr. Martin Kimmig

Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin

Sportmediziner

Jugendkoordinator ABI – Kinder- und Jugendfußball

abi-fussball@online.de